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Medikamentenabhängigkeit

In Deutschland sind schätzungsweise 1,4 bis 1,9 Millionen Menschen medikamentenabhängig. Vor allem Frauen (70%) und ältere Menschen sind von dieser „stillen“ Sucht betroffen (BMG). Der Einstieg in die Medikamentenabhängigkeit ist meist an alltägliche Belastungssituationen geknüpft. Im Vordergrund steht der Wunsch der Betroffenen, ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten, leistungsfähig zu bleiben, auch wenn die physischen und psychischen Kräfte nachlassen.

 

Verschiedene Medikamente können auf Grund ihrer psychoaktiven Wirkung zu einer gewohnheitsmäßigen Einnahme, zum Missbrauch oder zur Abhängigkeit führen.

 

Folgende Medikamente gelten als besonders süchtig machend:

 

  • Benzodiazepine (Diazepam, Lorazepam, Flurazepam, Tavor, Lexotanil, Rohypnol und andere) wirken angstlösend, krampflösend, muskelentspannend, beruhigend, schlaffördernd, stimmungsauffhellend, können aber auch eine leichte Depression verstärken. Bei höherer Dosierung wirken sie teilweise euphorisierend.
    Bereits nach einer Einnahme von 4 Wochen besteht ein hohes Suchtpotenzial.
    Nach zu langer Einnahmezeit treten Absetzsymptome auf, die heimtückisch den Ursprungssymptomen ähnlich sind oder auch andere Symptome erzeugen: Schlaflosigkeit, Angst, Zittern Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit.
    Der/ die Betroffene glaubt deshalb, das Medikament unbedingt weiter nehmen zu müssen. Wird das Medikament weiter verordnet, festigt sich die Abhängigkeit.
    "Benzos" sind die Medikamente mit der höchsten Missbrauchsrate!


    Absetzen der Medikamente nur unter ärztlicher Aufsicht!

  • Opiathaltige Schmerzmittel (Zentralwirksame Analgetika). Die Basiswirkstoffe der Opiate sind Morphin und Codein. Zu den Opiaten zählt auch die illegale Droge Heroin sowie das Substitutionsmittel Methadon.
    Opiate oder Opioide werden bei der Krebsbehandlung oder bei sehr starken Schmerzen eingesetzt.
    Problematisch ist die Verordnung opiathaltiger Schmerzmittel wie Tramadol oder Tilidin bei Schmerzen wie z.B. chronischen Rückenschmerzen. Auch Valeron oder Dihydrocodein zählen zu den opiathaltigen Schmerzmitteln. Da Codein eine dämpfende Wirkung hat, wird es auch als Hustenmittel verabreicht.
    Die langfristige Einnahme führt zur Abhängigkeit, verstärkt wird die Abhängigkeit durch den zusätzlichen Konsum von Alkohol.
    Gerade die euphorisierende Wirkung wie z.B. von Tramadol verführt immer wieder Menschen zum Missbrauch. Entzugserscheinungen können sein: Schmerzen, Depressionen, Angstzustände, Gefühle von Verzweiflung, innere Unruhe, verstärkte Aggressionen, Zittern, starkes Schwitzen. Manchmal dauert es sehr lange, bis die Entzugssymptome vollständig abgeklungen sind.
    Absetzen der Medikamente nur nach Absprache mit einem Arzt.
  • Amphetamine, Ephedrine sind in Appetitzüglern enthalten, vor allem machen sie wach und dämpfen Hunger. Sie können auch Nebenwirkungen haben wie: Schlaflosigkeit, Nervosität, erhöhte Herzfrequenz, Bluthochdruck, ängstliche Erregung bis zu Erschöpfungszuständen. Absetzsymptome sind Depressionen, Schlaflosigkeit, Nervosität.

  • Auch freiverkäufliche Schmerz- und Schlafmittel haben Abhängigkeitspotenzial.
    Vor allem Schlafmittel mit den Wirkstoffen Zolpidem, Zopiclon und Zaleplon machen abhängig. Schmerzmittel wie Aspirin forte, Thomapyrin, Togal, Dolomo T, Doppel-Spalt und andere, die mit anregendem Koffein kombiniert werden, sind problematisch.
    Bei anhaltender Einnahme von Kombi- Schmerzmitteln treten oft vermehrte oder andere Schmerzzustände auf. Entzugssymptome: Kopfschmerzen, Zittern.

  • Neuroleptika und Antidepressiva machen nicht zwangsweise abhängig, aber auch hier neigen Menschen mit süchtigen Strukturen zum Missbrauch, indem sie diese Medikamente später unkontrolliert weiter konsumieren.

 

Woran erkennen Sie, dass Sie Medikamentenabhängig sind?

 

Eine Medikamentenabhängigkeit kann über lange Zeiträume hinweg geleugnet werden. Es gibt weniger Erkennungszeichen, anders als beim Alkohol. Die Alkoholfahne fällt auf.

Eine Medikamentenabhängigkeit zu erkennen, setzt hinreichende Informationen über die Wirkungsweisen der jeweiligen Wirkstoffe voraus.

Viele Menschen vertrauen den Medikamenten, da sie vom Arzt verordnet werden.

Sie setzen das Medikament ab und die Symptome, weshalb Sie es genommen haben, treten verstärkt auf. Sie denken, dass Sie das Medikament unbedingt wieder benötigen. Hierbei kann die Ursache beim Medikament selbst liegen.

Eine Abhängigkeit kann auch ohne Dosissteigerung auftreten! Auch Menschen, die nie zuvor im Leben süchtige Tendenzen hatten, können durch die Einnahme süchtig machender Medikamente abhängig werden!

In diesem Fall müssen Sie sich stationär in einer Fachklinik behandeln lassen. Das Medikament wird unter ärztlicher Aufsicht allmählich reduziert, eventuell bekommen Sie andere nicht abhängig machende Medikamente, um gravierende Entzugserscheinungen zu verhindern.

 

Dennoch - es gibt auch eindeutige Indizien für eine Abhängigkeit - sollten Sie eine der folgenden Fragen mit ja beantworten, oder eine der nachfolgenden Kurz- oder Langzeitfolgen an sich beobachten, vereinbaren Sie ein kostenloses Informations- oder Beratungsgespräch bei uns oder bei einer Beratungsstelle in Ihrer Nähe. Der/ die verschreibende Arzt/ Ärztin ist hier nicht immer der geeignete Ansprechpartner.

 

  • Haben Sie das verordnete Medikament länger eingenommen, als es vom Arzt verordnet war?
  • Haben Sie das Medikament überdosiert?
  • Haben Sie Ihren Arzt/ ihre Ärztin überredet, es Ihnen doch noch einmal zu verschreiben?
  • Haben Sie eine/n andere/n Ärztin/ Arzt aufgesucht, um das Medikament noch einmal verschrieben zu bekommen?
  • Haben Sie sich das Medikament aus dem Internet besorgt?
  • Haben Sie sich das Medikament auf illegalem Weg besorgt?
  • Nehmen Sie häufig frei verkäufliche Schlaf- oder Schmerzmittel?
    (Auch Aspirin zählt dazu, wenn sie es häufig ohne Verordnung nehmen)

 

 

Kurz- und Langzeitfolgen der Medikamentenabhängigkeit

 

Benzodiazepine:

 

Kurzzeit - Müdigkeit, Gleichgewichtsstörungen, verminderte Bewegungskontrolle, verlangsamte Reaktionen, Konzentrationsstörungen noch am nächsten Tag
(Hang-Over-Effekt), wechselseitige Wirkungssteigerung bei gleichzeitigem Alkoholkonsum, erhöhte Unfallgefahr, Sturzgefahr vor allem bei älteren Menschen.

 

Langzeit - Veränderung der Persönlichkeit, Verflachung der Gefühle, Rückzug aus familiären und freundschaftlichen Beziehungen, Zunahme von Depressionen, Auftreten von gesteigerter Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit, Verwirrung. (Die Symptome, die das Medikament bekämpfen sollte, treten plötzlich verstärkt auf)

 

Freiverkäufliche Schmerzmittel:

 

Kurzzeit - Schwindel, besonders in Kombination mit Alkohol. Bei einer Überdosierung können Vergiftung, Magenprobleme und Ohrengeräusche (Tinitus) eintreten.

 

Langzeit - Dauerkopfschmerzen, meist drückend, die zu weiterer Medikamenteneinnahme verleiten. Bei Dosissteigerung bis zu 50 Tabletten über einen längeren Zeitraum drohen hohe Leber- und Nierenschäden.

 

 

Nachklang zum Nachdenken

 

  • Vielleicht denken Sie, ich weiß, dass das Mittel mir schadet, aber es tut gefühlsmäßig einfach gut. Etwaige körperliche oder gefühlsmäßige Konsequenzen schieben Sie auf andere Ursachen?
  • "Bei mir wird es schon nicht so schlimm sein, ich kann damit umgehen"
  • "Ich genieße das Leben lieber jetzt, auch wenn es dann kürzer ist"
  • "Diese Schachtel nehme ich noch, dann höre ich auf"
  • "Wenn ich es richtig will, höre ich auf"
  • "Das schaffe ich ja doch nicht"
  • "Ich nehme ein anderes Produkt, dann werde ich nicht abhängig"
    (Die eingenommene Substanz bleibt gleich)
  • "Mein Leben ist viel besser geworden, seitdem ich diese Medikamente nehme, die paar Tabletten, die ich jetzt mehr nehme, können doch nicht schaden"
  • "Wenn die Wirkung nachlässt, bin ich manchmal gereizt"
  • "Am liebsten bin ich alleine in meiner Wohnung"
  • "In meiner Wohnung habe ich es gerne dunkel und bullig warm"